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Reisli 2002 

 Die Verwahrung  


Die Wädenswiler Panzerknackerklicke wurde einmal mehr zur schlimmst möglichen Strafe verdammt: 48 Stunden Knackerreisli im schwarz/weiss gestreiften Gwändli!!
Dem schriftlichen richterlichen Urteil folgend, besammelte sich die Bande am 27. September um 16.30 Uhr im Rest. Neuhüsli zur Henkersmahlzeit, die aus Bier und Hacktätschli bestand.
Dies stimmte die Gruppe gnädig, sodass sie sich widerstandslos mit dem Ortsbus und dann in einem Wagen der Schweizerischen Bundesbahnen abführen liess. Die für den Gefangenentransport verantwortlichen Ganoven Peti, Werni und Zachi konnten eine ruhige Kugel schieben, alles schien unter Kontrolle zu sein. Doch bei der planmässigen Umladeaktion im Zürcher Hauptbahnhof geschah es: Roli „Tschäntzi“ Jantz nutzte die Gunst der Stunde und haute ab! Die übrigen Bandenmitglieder befanden sich schon im Schnellzug Richtung Luzern, als sie die Flucht bemerkten. Die sofort gestartete telefonische Grossfahndung brachte keinen nennenswerten Erfolg. Da sich bei Amnesty International nur der Telefonbeantworter meldete, machte sich bei den Transportverantwortlichen eine nicht zu leugnende Ratlosigkeit breit. Die Anmeldeformulare zur RTL-Talkshow „Melde dich!“ waren schon ausgefüllt, als sich der Flüchtende auf Jöre „Schrat“ Martis Handy meldete und sich mit den Worten: „Gopfertelli, wo sind ihr eigentlich!?“, über seine Eskapaden reuig zeigte.
Der Sünder konnte dazu bewegt werden, seinen Migrossack zu ergreifen, die Stehbar im HB zu verlassen und sich in seinem schwarz/weiss gestreiften Gewand in eine Taxe zu setzen. Ziel: Hotel Löwengraben ehemals Zentralgefängnis Luzern.
Alle hatten dort ihre Zweierzellen schon bezogen und begaben sich gerade zum Esssaal, als der verlorengeglaubte Sohn vor den Gefängnistoren vorfuhr.
Zu den löblichen Errungenschaften der westlichen Zivilisation gehört zweifelsfrei der moderne Strafvollzug. Dieser gestattete es uns Panzerknackern bereits am ersten Abend, in den Genuss eines Hafturlaubes zu kommen.
Der Ausgang in der Luzerner Innenstadt wurde dazu benützt, totes Kapital zu beleben, d.h. es unter die (Wirts)Leute zu bringen. Wer des Volksmundes mächtig ist, kennt den Ausdruck „Ich glaube ich habe letzte Nacht Land gekauft“. So gesehen, war dann der eine oder andere Grossgrundbesitzer dabei, als wir am Samstag den 28. September schon um 10.00 Uhr den Zug in Richtung Engelberg bestiegen. Diese Strecke ist voll tauglich für Gruppenreisen, da nie umgestiegen werden muss. In Engelberg erwartete die Hungrigen ein kleiner Imbiss. Interessanterweise scheinen Grossgrundbesitzer keine grossen Esser zu sein. Da dies ein Reisebericht  und keine Sozialstudie ist, fahre ich mit dem weiteren Verlauf des Tages fort.
Wir bezogen unser zweites Nachtlager, das Hotel Europe, ein Jugendstilbau aus dem Jahre 1902 ( Photos ). Dieses Grand Hotel ist mit seiner noblen Eleganz bestens für die Beherbergung von Grossgrundbesitzern geeignet. Aber die Zeit des Schlafens lag noch in weiter Ferne, denn zuerst galt es, das Nachmittagsprogramm zu absolvieren. Die Klicke teilte sich in je eine verwegene, in eine wagemutige und in eine „bitte nicht“ Gruppe auf. Zur „bitte nicht“ Gruppe gehörten Begi ( Fieber, geschwollene Lippe, ärztliches Zeugnis ), Cardinal Paul (Wallungen, ärztliches Zeugnis ) und Roli J. ( Schwartenriss ohne ärztlliches Zeugnis, da zu früh aus dem Spital abgehauen ). Die vitale Mehrheit vergnügte sich bei herrlichem Wetter mit Tandemgleitschirmfliegen oder beim Flying Fox ( Bilder ), einer Art gemässigtem Bungee-jumping. Adrinalingeschwängert und mit einem üppigen Nachtessen im Magen verhielt sich die Bande an diesem Abend für einmal unauffällig und gesittet. Was Scheisse ist, denn irgend etwas sollte man hier zu berichten haben ohne sich erfundene Geschichten aus den Fingern saugen zu müssen.

Nun denn, am Sonntag morgen überraschte uns eine Kolonie Inder, die in der Hotelhalle lagerten und Bombayhauptbahnhoffeeling verbreiteten. Schon bald tauchte Franz Schuler auf, ein Urgestein der Chauffeurengilde, der unser Gepäck und die Kriegsversehrten einlud.
Die restlichen 14 Knackis fassten am Engelberger Centralhauptbahnhof ein Bike oder ein Damenfahrrad ( de Gschwinder isch dä Gschnäller ) und fuhren damit bei immer noch prächtigem Wetter talwärts. Schuler Franz mit seinem cheibenschönen Carli als Besenwagen einzusetzen, erwies sich schon bald als exzellenter Schachzug der Organisatoren. Die Materialermüdung setze wie erwartet im Verlaufe der langen Fahrt ein, nämlich nach etwa 6 Minuten. Muchi Erdlen war das Opfer resp. der hintere Reifen, welcher die subtile Fahrweise mit einem lauten Knall quittierte. Was Querfeldeinspezialist Muchi nicht daran hinderte, die gröbsten Stein- und Wurzelpassagen in Höchsttempo fertig zu fahren und erst den asphaltierten Teil der Strecke mit dem Ersatzbike zu absolvieren. Rast machten wir in einer Besenbeiz, die wir vom Gleitschirmfliegen am Vortag kannten. Wurde uns am Samstag noch versichert, dass sogar Nasenbohren gefährlicher sei als Gleitschirmfliegen, erzählte uns nun die Wirtin der Besenbeiz mit heiterem Gemüt von einschlagenden Körpern auf ihrem Hausvorplatz, von zappelnden Männern an Hochspannungsleitungen und Gleitschirmen, die als Baumschmuck eingesetzt wurden. So verliessen wir den Ort des Schreckens, um bei km 20 ein weiteres Mal den Besenwagen in Anspruch zu nehmen. Schrat Marti hatte ebenfalls den hinteren Reifen seines Fahrrades zu Tode gedrückt. Worauf ihm Vinz Jr. Bütler mit einer generösen Geste sein Bike zur Verfügung stellte und blitzgeschwind im Besenwagen verschwand. Dort fand er einen Sitz, der ihm besser bekam.
Die Aktion Bewegungstherapie endete am Bahnhof Stansstad, wo wir in das cheibe schöne Carli, vormals Besenwagen, umstiegen.
Auf dem Nachhauseweg gab es Mittagessen und Presi Brauni führte die Verlosung zur Bestimmung der Veranstalter der nächchsten Reise durch.

Wir freuen uns auf das deb/spekt-akel, das uns Jüge Kleb, Vinz Bütler und Paul Cardinal Geisseler im Jahre 1 nach dem Höhepunkt aller Reisli zu bieten haben.

 

 

P.S. Die Interpretation des letzten Satzes erfordert Insiderwissen. Ist dieses Wissen nicht vorhanden, kann dieser letzte Satz ignoriert werden, ohne dass sich der Bericht als solches in seinem Inhalt beeinträchtigt werden würde täte.

 

Fotos Reisli 2002